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Neu Künstliche Intelligenz und der Mensch

Erika Dollinger · vom 28. Juli 2020

Detroit in 18 Jahren - im Jahr 2038. Die Technologie ist inzwischen so weit entwickelt, dass es überall humanoide Androiden gibt. Diese Maschinen sprechen, verhalten und bewegen sich wie Menschen, doch ihr Zweck besteht hauptsächlich darin, den Menschen zu dienen – so heißt es im PlayStation Game.

Als Spieler begibst du dich auf eine Reise in die Zukunft. Abwechselnd spielst du drei Charaktere, die eine Mission nach der anderen erfüllen müssen und häufig in Konflikte geraten. Du hast die Kontrolle über deinen Androiden, denn deine Entscheidungen bestimmen maßgeblich, wie sich die spannende und verzwickte Geschichte des Spiels entwickelt. Du musst dich zahlreichen Dilemmata stellen, die über Leben und Tod entscheiden. Unter diesen Androiden gibt es sogenannte Abweichler, die Emotionen nachempfinden. Das kann natürlich die Entscheidungen beeinflussen und zu einer größeren Spannung zwischen Mensch und Android führen. Abweichler verlangen mehr Freiheiten und kämpfen für Gerechtigkeit: Gleiche Rechte, keine Sklaverei, Meinungsfreiheit. Könnte unsere Zukunft so aussehen?

Die Entwickler von „Detroit“ haben sich selbstverständlich ihre kreative Freiheit genommen, dennoch bleibt es realistisch. Dies wird durch all die Details im Spiel deutlich. Der Alltag dort gleicht außerdem unserem in der realen Welt und die Kommunikation unter Menschen, sowie Robotern dort wirkt nicht aufgesetzt, sondern echt. Wenn man dieses Spiel mit dem ScienceFiction Film „Mute“ vergleicht, stellt man fest, dass dieser zwar auch in der Zukunft spielt, jedoch wenig Zusammenhang mit der realen Welt besteht. Viele Situationen kommen unwirklich rüber und die Geschichte ist ebenfalls nicht überzeugend. „Detroit: Become Human“ ist da ganz anders.

Heutzutage läuft bereits viel Zukunftsforschung und die Technologie spielt ebenfalls eine große Rolle. 1962 konstruierte der Wiener Claus Scholz einen humanoiden Roboter, der bereits sehr komplexe Bewegungsabläufe, wie Boden fegen oder Türen öffnen, umsetzen konnte. Allerdings arbeitete er noch nicht ganz autonom, sondern benötigte Stromversorgung und Steuerbefehle von einer externen Einheit. Dennoch war dies ein großer Schritt in der Technologie.

Die Technologie entwickelt sich schnell und liefert erstaunliche Ergebnisse. Zu den aktuellen Fähigkeiten einer derartigen Maschine gehören unter anderem die Gebärdensprache anwenden, Spülmaschine ein- und ausräumen, Tablettwagen schieben, servieren, Fahrrad fahren und Getränke einschenken. An den Aktivitäten wird nochmal deutlich, dass wir uns einen Helfer aneignen wollen, der unsere Aufgabe teilweise übernehmen kann. Doch errichten wir uns einen Freund oder eher einen Feind?

Wenn wir nochmal auf das Spiel zurückgreifen, geht es dort um einen Konflikt zwischen Mensch und Android. Ist es möglich, dass wir in 18 Jahren den Stand der künstlichen Intelligenz so weit entwickelt haben, dass diese der menschlichen Intelligenz angleicht? Einerseits ist dies unser Ziel – eine Maschine zu schaffen, die so denkt wie wir – andererseits wollen wir uns kein Eigentor schießen und Probleme hervorrufen. Der Roboter mit KI soll aktiv am sozialen Leben der Menschen teilnehmen und durch Beobachtung, Interaktion und Kommunikation lernen, aber gleichzeitig keine Gefahr darstellen. Ist das überhaupt möglich? Was passiert, wenn Menschen anfangen einem Roboter schlechte bzw. gefährliche Tätigkeiten beizubringen? Kann der 3. Weltkrieg mit humanoiden Androiden, statt mit menschlichen Soldaten geführt werden?

Abschließend kann ich nur sagen, dass die Zukunft alles offen hält und wir für vieles, wenn nicht sogar alles was passiert, verantwortlich sind. Doch ob wir uns dafür entscheiden, einen humanoiden Roboter als Helfer zu entwickeln und das Gefahren-Risiko eingehen, kann nur spekuliert werden. Zum Schluss gibt es noch ein passendes Zitat von Goethe zum Nachdenken: „Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Erstaunen.“