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Geographie der Gleichberechtigung

Erika Dollinger · vom 30. Juli 2020

Viele Menschen verbinden das Wort Ungerechtigkeit mit der Frage der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Eine eindeutige Erklärung gibt es dafür nicht, jedoch kann man nicht leugnen, dass diese Thematik in der heutigen Gesellschaft immer noch ein großes Diskussionsthema ist, welches noch viel Gesprächsbedarf und Fortschritt erfordert.

Vermutlich haben bereits einige vom Internationalen Frauentag (8. März), Internationalen Tag des Mädchens (11. Oktober), sowie dem Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (25. November) gehört. Jedoch fehlt heutzutage immer noch ein fairer und respektvoller Umgang mit Frauen in vielen Ländern, wie zum Bespiel in Polen, Malta oder Griechenland.

Deutschland ist hierbei leider auch noch kein Vorreiter der Gleichberechtigung. Die ungleiche Bezahlung ist nur einer der Beweise dafür. Überall in Deutschland verdienen Frauen grundsätzlich weniger Geld als Männer. Doch warum werden Frauen für die gleiche Leistung schlechter bezahlt? Durchschnittlich liegt die Entgeltlücke trotz gleicher formalen Qualifikationen und derselben Arbeitsmerkmale bei 6%. Sollte man sich als Arbeitgeber auf das Ergebnis und nicht auf das Geschlecht fokussieren?

Diese Lohnlücke hat jedoch vielfältige Ursachen. Zumal werden soziale oder personennahe Dienstleistungen eher von Frauen bevorzugt, dazu gehören Berufe wie Altenpflegerin, Krankenschwester oder Lehrerin. Männer ergattern sich wiederum Arbeitsstellen mit einer höheren Bezahlung, beispielsweise eine leitende Position. Doch sogar wenn ein Mann und eine Frau dieselbe Arbeit haben, werden Frauen benachteiligt. Viele begründen dies mit einer geringfügigeren Leistung oder dass Arbeitnehmerinnen öfter in Teilzeit arbeiten als Männer, da Frauen die Elternzeit eher in Anspruch nehmen würden. Dieses Problem könnte man aber recht schnell lösen, indem Männer ebenfalls in Elternzeit gehen, die Frau arbeiten lassen und somit eine Gehaltsbalance schaffen.

Denn in Deutschland ist es auch Vätern erlaubt einen Antrag auf Elternzeit zu stellen. Allmählich hat sich unser Land positiv entwickelt, deshalb sollten unsere Möglichkeiten konsequent genutzt werden. Somit würde möglicherweise mehr Gleichberechtigung eintreten.

In dem „Feministenland“ Schweden wird nämlich vieles anders geregelt und solche Probleme werden dort weder diskutiert, noch existieren sie. Für die Schweden ist Feminismus kein Kampfbegriff mehr, im Gegenteil, es beschreibt ihr Land sogar sehr gut. Lange Elternzeit für beide Elternteile, großzügige Teilzeitregelungen und vor allem eine gerechte Verteilung der Verantwortung. Es ist keine Seltenheit, dass Männer für einige Tage zuhause bleiben, um auf die Kinder aufzupassen oder sich um den Haushalt zu kümmern, während die Frau gerade arbeitet. In den meisten Fällen wechseln sich die Partner mit den Aufgaben ab und entwickeln somit eine ausgeglichene Beziehung zueinander und eine soziale Gesellschaft voller Abwechslung ermöglicht. Dort bezeichnen sich viele moderne Männer selbst als „Feministen“ und leben diesen Begriff auch aus.

Aber Schweden war nicht immer so. Erst nach zahlreichen feministischen Aufständen und Demonstrationen, unter anderem auch die MeToo-Debatte 2017, welche in Schweden heftig einschlug und in der es um sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen ging, entwickelte sich Schweden zu dem Land, das es heute ist.

Selbstverständlich hat auch Schweden gesellschaftliche Probleme. Beispielsweise bleiben die Vorstandsposten immer noch die Männerdomäne. Die Quote beträgt ganze 94%. Trotz allem gilt Schweden als egalitärstes Land in Europa, weshalb seine gesellschaftlichen Strukturen häufig als Vorbild gelten.

Schaut man sich die aktuellen Ergebnisse der Studie des Weltbank-Instituts IBRD an, liegt Griechenland sehr weit hinten und Gleichberechtigung ist für viele Griechen immer noch ein Fremdwort.

Die gesellschaftliche Rollenverteilung bleibt dort auch im 21. Jahrhundert noch bestehen. Neben wenigen Ausnahmen ist die Frau hauptsächlich den Haushalt verantwortlich und kümmert sich um die Kinder der Großfamilie. Der Mann ist für das Einkommen zuständig. Viele Männer ziehen sich nach der Arbeit gerne in sogenannte Kafenia zurück. In diesen griechischen Kaffeehäusern ist der Eintritt für Frauen meist nicht gestattet.

Außerdem werden Frauen, die vor der Ehe entjungfert wurden als wertlos angesehen und können in vielen Fällen nicht mehr heiraten. Gleichzeitig ist es keine Seltenheit, dass Männer vor der Ehe bereits mehrere Beziehungen geführt haben, doch dies einer Ehe nicht im Wege steht. Somit lässt sich sagen, dass die Welt des Mannes sich noch stark von der einer Frau unterscheidet. In Griechenland genießen die Männer noch ihre Privilegien. Viel Freizeit, große Eheauswahl, klare Machtrolle.

Doch auch in Griechenland wünschen sich immer mehr Frauen gleiche Chancen. Es fanden schon reichlich Demonstrationen statt, unter anderem der Internationale Frauenstreik am 8. März. Viele Frauen, Feministen und Aktivisten, kämpfen um mehr Freiheit, Arbeits- und Sozialrechte.

Nun jetzt habe ich mehrmals das Wort „Feminismus“ erwähnt, weil es in der Frauenbewegung eine zentrale Rolle spielt. Es gibt diesbezüglich auch, wie schon anfangs erwähnt, Internationale Frauentage, an denen die fehlende Gleichberechtigung thematisiert wird, um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen.

Habt ihr euch auch schon gefragt, warum es keinen „Internationalen Tag der Männer“ gibt? Dafür gibt es eine ziemlich einfache Erklärung. Männer wurden schon vor Jahrhunderten höher gestellt als Frauen. Schließlich ist die Vergangenheit die Quelle der, in manchen Ländern leider immer noch geltenden, Rollen- und Aufgabenverteilung. Von den Männern wurde traditionell erwartet in der Öffentlichkeit eine Rolle zu spielen. Bürgersfrauen hatten in diesem Raum nichts zu suchen.

Vor einiger Zeit galt der Matriarchat als Gesellschaftsideal. In solch einer Gesellschaft übernahm die Frau eine zentrale, manchmal sogar eine herrschende Rolle. Diese gesellschaftliche Ordnung wurde dann aber durch patriarchalische (Macht des Mannes) ersetzt.

Dabei missverstehen viele Leute den Begriff „Matriarchat“. Dieser bedeutet nämlich nicht, dass die Frauen über alles bestimmen wollen und machtgierig sind, sondern dass Mann und Frau gleichgestellt sind und die Frauen mindestens genauso viele Rechte wie Männer haben. Jedoch ist die Stellung eines Mannes in der heutigen Gesellschaft so tief verankert, dass die Forderung nach mehr Rechten und Macht als nicht angemessen erscheint. Allerdings sollte diese Sicht dringend verändert werden, denn Frauen sind nicht gleich schwächer oder unfähiger als Männer, nur weil sie weiblich sind. Weltweit sind nur 10% aller Unternehmer Frauen, wobei Männer oft nur an den einseitigen Erfolg glauben, wohingegen Frauen eine Win-win-Situation bevorzugen. Es wird behauptet, Frauen handeln emotional, was nicht komplett unwahr ist, doch nicht als Regelmäßigkeit angesehen werden sollte. Denn es gibt viele erfolgreiche Frauen in der Geschichte, dazu gehören beispielsweise Marie Tussaud, Aenne Burda und Estée Lauder, die selbstständig waren und meist ganz alleine ein erstaunliches Business auf die Beine gestellt haben. Und allein die Proteste für Frauenrechte sollten ein Zeichen dafür sein, dass unsere Welt noch nicht gerecht ist.